In der Branche der Übersetzungsdienstleistungen werden die Begriffe wie Übersetzung, Übertragung und Lokalisierung sehr oft (und völlig falsch) wechselweise verwendet. Die Grundunterschiede betreffen einige grundlegende Fragen, die in manchen Fällen die einzelnen Arten der Dienstleistungen sehr bedeutend differenzieren.

Die Übersetzung, also die bekannteste Bezeichnung für die Ausführung einer Version des Dokuments in eine andere Sprache als das Original, setzt vor allem auf eine genaue Übersetzung der Originalvorlage. Was bedeutet das in der Praxis? Sämtliche Bezüge zu kulturell oder sprachlich spezifischen Phrasen oder Formulierungen sollen gemäß der oben genannten Idee, wortgetreu übersetzt werden. Ganz oft bedeutet es die Erstellung eines Texts, der für den Empfänger sehr schwer verständlich ist, aber der Inhalt stimmt mit dem Original völlig überein. Ein einfaches Beispiel dafür sind Sprichwörter jeder Art, die normalerweise ihre Äquivalente in der Zielsprache haben, aber aufgrund des Kriteriums der Genauigkeit kann man sie in diesem Fall nicht verwenden. Vorausgesetzt, dass wir einen künstlerischen Text oder Marketingtext übersetzen müssen, ist eine wortgetreue Übersetzung die schlimmste Möglichkeit aus der Perspektive des Empfängers. Falls im Original Phrasen erscheinen, die typisch für die gegebene Kultur oder für das gegebene Land sind, können ihre wortgetreuen und genauen Äquivalente in der Fremdsprache einfach sinnlos sein – die polnischen Phrasen wie „od Annasza do Kajfasza” oder „wyszedł na tym jak Zabłocki na mydle” werden in anderen Sprachversionen zum Nonsens.

Also wann findet die Übersetzung, gemäß den oben genannten Kriterien, eine praktische Anwendung? Vor allem in den beglaubigten Übersetzungen (sog. vereidigten Übersetzungen), in denen Genauigkeit das wichtigste Kriterium der ausgeführten Dienstleistung ist. Generell folgen Rechtstexte ihren eigenen Regeln, aber wir stoßen dort eher auf keine umgangssprachlichen Formulierungen, Sprüche oder Sprichwörter, und die Genauigkeit beim Abbilden des Originals ist von großer Bedeutung bei der Bedienung des übersetzten Dokuments. Was passiert aber, wenn das Dokument, das wir in einer anderen Sprache haben möchten, Elemente des Slangs, Idiome, den charakteristischen Stil oder eine versteckte Nachricht hat? Dann kommt zu Hilfe die zweite und trotz allem Anschein auch die populärste Art der linguistischen Dienstleistung – die Übertragung.

Trotz der wechselweisen ” (wie schon erwähnt – falschen ) Verwendung der Begriffe „Übersetzung“ und „Übertragung” , räumt der zweite dem Übersetzer viel mehr Freiheit ein, und gleichzeitig, fordert er bedeutend mehr Gewandtheit in beiden Sprachen. Nicht nur Sprachkenntnisse sind notwendig, aber auch Kenntnisse über die Kultur, Idiome, und ganz oft, über die Geschichte oder über die Animositäten unter den  Sprechern der gegebenen Sprache. Gerade Übertragungen sind die häufigste Arbeitsform, die ein Ziel für erfahrene Übersetzer ist. Auf diese Weise werden andere Sprachversionen von Literaturwerken, Werbekampagnen, Slogans, sowie Filmen, Theaterstücken und Musicals erstellt. Wenn jemand versucht, „Pan Tadeusz” in eine andere Sprache zu übersetzen und zu 100% dem Original treu bleibt, dann würde er nicht nur ein unverständliches, sondern auch, aus artistischer Perspektive, ein unzugängliches Werk schaffen. Übertragung ist also das, was Übersetzer meistens ausführen (manchmal beschreiben sie es weiter als Übersetzung), sogar wenn die Veränderungen gegenüber dem Original unbedeutend sind. Im Fall der Übersetzung von Dokumenten, die einen Einfluss auf den Empfänger (nicht nur wegen des gelesenen Inhalts) haben sollen, ist die Übertragung ein Medium, das die Erstellung einer neuen Version des Textes ermöglicht, die nicht nur Informationen aus dem Original wiedergibt, sondern auch Informationen übermittelt, die geeignete Gefühle beim Leser hervorrufen. Wann lohnt es sich, die Übertragung statt der 100% wortgetreuen Übersetzung auszuführen? In jedem Fall sind hier technische, medizinische und juristische Texte ausgenommen (obwohl sie auch manchmal Elemente haben, die bei einer wörtlichen Übersetzung empfängerunfreundlich oder einfach unverständlich sind). Darüber hinaus sollen manche Termini in der juristischen Terminologie an einen lokalen Rechtsjargon angepasst werden, was bedeutet, dass sie ganz oft bedeutend modifiziert werden.

Wir wissen schon, was Übersetzung und Übertragung sind ; es bleibt aber noch die dritte und die ausgebauteste Möglichkeit – die Lokalisierung.

Lokalisierung kann man als „völlige Übertragung” verstehen, die nicht nur die Aussage und den Inhalt eines Dokuments, sondern auch die Anpassung der grafischen Elemente sowie der Form zur Spezifität des Zielempfängers bewahrt. Die gängige Abkürzung ist „L10N”, die aus der englischen Struktur des Wortes „localisation” stammt, also: der Buchstabe L, dann 10 Buchstaben und schließlich der Buchstabe N.

Wann hat man es mit der Lokalisierung zu tun? Meistens bei Softwares, Spielen, Apps und Werbematerialien. In den ersten drei Kategorien muss nicht nur der Inhalt übertragen werden, sondern es müssen auch die Aspekte wie die Richtung des Lesens (von links, von rechts, von oben), die alphabetische Sortierung, die angewandten Maß- und Gewichtseinheiten, das Aufzeichnungsformat der Daten und Zeit (britisch AM und PM), die Aufzeichnungsweise der Zahlen (der bekannte Unterschied zwischen dem Punkt und dem Komma in der amerikanischen und europäischen Aufzeichnung) und alle für jedes Land, jede Kultur oder jede Berufsgruppe spezifischen Faktoren angepasst werden. Die Lokalisierung ist also eine komplexe Arbeit nicht nur für Übersetzer, aber auch oft für Grafiker,  sachliche Experten aus verschiedenen Bereichen, Redakteure oder Medienexperten. Als einfaches Beispiel der Lokalisierung kann hier eine beliebige Werbung dienen, in der eine berühmte Person auftritt. Es ist selten, dass eine Berühmtheit, die hochgeschätzt und auf eine bestimmte Weise in einem Land assoziiert wird, im Ausland genauso bekannt ist. Die polnische „perfekte Hausfrau” ist den Deutschen und Briten völlig unbekannt, und für die Mehrheit der Polen ist Oprah Winfrey total unbekannt. Die Aufgabe der Lokalisierungsexperten ist hier nicht nur den Inhalt der Werbung zu übersetzen, sondern auch passende Schauspieler auszuwählen. Das Image einer Jugendlichen in den USA ist völlig anders als im Iran oder in Japan – darum soll Lokalisierung (unter der Bedingung, dass sie richtig ausgeführt wird) ebenfalls eine kulturelle Adäquatheit des Materials gewährleisten, und in extremen Fällen vor Anschuldigungen wegen Beleidigung der Moral oder der religiösen Gefühle schützen. Es gibt noch eine grundlegende Frage:

Wann soll man Übersetzung, wann Übertragung, und wann Lokalisierung ausführen? Im Fall einer professionellen Einstellung zum Kunden sollte das Übersetzungsbüro diese Frage beantworten. In Analogie dazu, ist es schwer, von einem Kunden einer Autowerkstatt zu erwarten, dass er selbst ganz am Anfang darüber entscheidet, ob ein Element repariert, wiederhergestellt oder durch ein anderes ersetzt werden soll – die Nahelegung der besten Lösung, sowie ihre Begründung, ist Aufgabe des Experten aus der gegebenen Branche.

Es ist sehr oft so, dass Kunden eine Übersetzung bestellen, aber eine Übertragung oder Lokalisierung meinen, jedoch besonders im Fall der Lokalisierung ist es gut, so genau wie möglich die Bedürfnisse des Bestellers oder des Zielempfängers kennenzulernen. Manche Materialien erfordern keine Lokalisierung, sondern nur die Übertragung oder Übersetzung mit kleinen Elementen der Übertragung. Zusätzlich sind in vielen Fällen die Übersetzer für den zu freien Stil des Dokuments in einer anderen Sprache verantwortlich. Worum geht es? Ein einfaches Beispiel dafür sind Titel jeder Art, die in einem konkreten Land und durch konkrete Institutionen beigelegt werden. Natürlich gibt es ihre Äquivalente in verschiedenen Sprachen, aber sie sind praktisch nie identisch, wenn es um die Verwendungsweise, die Berechtigungen oder den Aufgabenbereich geht. Vor allem akademische Titel und die Dienstgrade im Militär bereiten Schwierigkeiten. Bei Übertragungen wird in der Regel die Originalversion stehengelassen, eventuell mit einer Erklärung, aber man kann immer noch auf solche Texte stoßen, in denen ein polnischer habilitierter Doktor zu einem englischen PhD wird, und in extremen Fällen der Sejmmarschall  zu einem US- „Marshall”. Kurz gesagt – zwischen Übersetzung, Übertragung und Lokalisierung verläuft nur eine dünne Grenze, aber Profis sehen eine ganz eindeutige Differenzierung, die besonders im Fall der Lokalisierung von großer Bedeutung für einen Kunden sein kann, sowohl hinsichtlich des Dienstleistungspreises als auch des erhaltenen Materials. Die einfachste und wesentliche Regel ist hier, sich auf das Übersetzungsbüro zu verlassen, dessen Pflicht es ist, auf eine anpassende Form des Zieldokuments in gegebener Sprache hinzuweisen. Falls eine solche Anpassung nicht durchgeführt wird, oder Werbeslogans wortgetreu übersetzt werden, oder eine Lokalisierung einer Software, in der die Äquivalente in jeder Sprache übereinstimmend sein müssen, kann es passieren, dass ein Kunde finanzielle Verluste erleidet , aber, was noch schlimmer ist, der Inhalt kann einfach missinterpretiert werden, was dem Image der Firma schaden kann.

 

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